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21.04.18 / Unser neuer Newsletter startet mit der Ausgabe 2018 Q1

Neuer Newsletter – Windenergie & Schall

Interimsverfahren erhöht nicht immer den Schutz der Anwohner

Das „Interimsverfahren“ zur Berechnung der Schallausbreitung von Windenergieanlagen (WEA) verursacht teils deutlich höher berechnete Pegel als das in der Vergangenheit angewendete „Alternative Verfahren“. Doch in Abständen bis ca. 450 m können die berechneten Pegel auch niedriger ausfallen. Das zeigen Untersuchungen der Wölfel-Gruppe. Bei Windrädern, die gegenüber der Wohnbebauung deutlich erhöht stehen, liegen die prognostizierten Pegel nach dem Interimsverfahren auch in Abständen von 600 m bis 1000 m unter den Werten nach dem Alternativen Verfahren.

„Dadurch könnten die Anlagen in solchen Fällen näher an die Wohnbebauung heranrücken als dies bisher der Fall war“, erklärt Janosch Blaul, Schallexperte und Leiter des Bereichs Akustik bei der Wölfel GmbH. Praktische Relevanz kann das bei Anlagen im Mittelgebirge haben. Das von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) eingeführte neue Verfahren zur Berechnung von Schallimmissionen (Interimsverfahren) soll eine genauere Prognose der Lärmbelastung in der Planungsphase sicherstellen und damit den Schutz von Anwohnern erhöhen.

Die Untersuchungsergebnisse von Wölfel veröffentlicht Sonne Wind & Wärme im Internet (Link) und in der April-Ausgabe als Fachartikel.

Windenergieanlagen werden leiser

Trotz gestiegener Leistungen und größerer Rotordurchmesser sinkt der Schallleistungspegel bei Anlagen der neuesten Generation. Die neueste Anlage von GE, die GE 4.8-158, ist unter Standardbedingungen von 7m/s etwa zwei Dezibel (dB) leiser als das Vorgängermodell (GE 2.5/2.75-120). Gleichzeitig ist die Leistung der neuen Anlage um über zwei Megawatt (MW) höher. Ähnliche Werte zeigen die neuen Anlagen von Nordex und Vestas. „Je nach Gegebenheiten kann eine Schallreduktion um 2 dB im Genehmigungsverfahren zwischen 75 und 200 Meter ausmachen, die eine Windenergieanlage näher an Wohnbebauung heranrücken darf“, erklärt Janosch Blaul, Leiter des Bereichs Akustik der Wölfel-Gruppe.

 

 

Quelle: Herstellerangaben
* Am häufigsten installierte Anlage laut FA Wind 2017, Ausbausituation an Land im Herbst 2017,
Seiten 9 und 10
** Standardwert oder bei 7m/s

Interimsverfahren: Rechtsstatus unklar – Bundesländer schaffen Fakten

Über die Rechtswirksamkeit und den Geltungsbereich der LAI-Hinweise zur Schallimmissionsberechnung besteht noch immer Unsicherheit. „Fraglich ist, ob das sog. Interimsverfahren zum Stand der Technik zählt oder ob weiterhin das von der TA Lärm vorgegebene Prognoseverfahren für Schallimmissionen (DIN ISO 9613-2) als maßgeblich zu erachten ist“, erklärt Rechtsanwalt Martin Maslaton („Einführung der neuen LAI-Hinweise in den Bundesländern“, Link).

Der BWE betont in den Informationen vom Februar 2018, dass die Anwendungserlasse der Länder zwar für die ausführenden Genehmigungsbehörden bindend seien. Ob diese allerdings auch rechtlich Bestand haben, lasse sich erst feststellen, „wenn die oberverwaltungsgerichtliche Rechtsprechung hierzu explizit und mehrheitlich entschieden hat“.

Bisher haben sieben Bundesländer Erlasse zur Anwendung des Interimsverfahrens veröffentlicht: Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern.

Schleswig-Holstein: Genehmigungen, die nicht bestandskräftig sind, stehen auf dem Prüfstand

Die bisher ergangenen Erlasse sehen „die Anwendbarkeit der LAI-Hinweise in der Regel nur für laufende, noch nicht abgeschlossene Genehmigungsverfahren vor“, so die Rechtsanwälte Gaßner, Groth, Siederer & Coll. „Einzig das Land Schleswig-Holstein bestimmt ausdrücklich, dass das Interimsverfahren auch auf nicht bestandskräftige Genehmigungen anwendbar ist“ (GGSC, 26.2.2018, Link).

Bestandskräftig genehmigte Anlagen sind von der Neuregelung nicht betroffen, konstatiert Energate mit Verweis auf Sterr-Kölln & Partner. Allerdings könnten auch bestehende Anlagen gezwungen werden, ihren Betrieb herunter zu regeln, vor allem bei Nacht. Das Energieministerium in Kiel erarbeite dafür gerade ein Überwachungskonzept für bestehende Anlagen (Energate, 2.3.2018, Link).

Infraschall: Weitere Studienergebnisse erwartet

Nach Informationen der WELT hat das Kopenhagener Krebsforschungszentrum „Kraeftens Bekaempelse“ die seit 2013 laufende Untersuchung über gesundheitliche Auswirkungen von Infraschall abgeschlossen. In der Studie wurden die medizinischen Daten von rund 10.000 bis 15.000 Anwohnern in unmittelbarer Umgebung von Windenergieanlagen ausgewertet. Das endgültige Veröffentlichungsdatum stehe noch nicht fest, da die Studie gerade die „Peer Review“ durchlaufe (WELT, 27.2.2018, „Rätsel um Infraschall vor der Auflösung“, Link).

Die Auswirkungen von Infraschall auf die Herzmuskulatur untersucht derzeit die Arbeitsgruppe Infraschall der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (HTG) der Universitätsmedizin Mainz. Dafür haben die Wissenschaftler ein etwa drei Millimeter langes Präparat, ein Herzmuskelstück, mit einem Lautsprecher verbunden. Unter Einwirkung von Infraschall gehe die vom isolierten Herzmuskel entwickelte Kraft „unter bestimmten Bedingungen um bis zu 20 Prozent verloren“, so Prof. Christian-Friedrich Vahl von der HTG gegenüber der Allgemeinen Zeitung aus Mainz (5.3.2018, Allgemeine Zeitung: „Windkraft: Störsender fürs Herz“, Link). Der nächste Schritt seien nun Messungen am lebenden Präparat.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württenberg kam 2016 in der Studie „Tieffrequente Geräusche inkl. Infraschall von Windenergieanlagen und anderen Quellen“ zu dem Ergebnis, dass sich in „700 m Abstand von den Windenergieanlagen […] der gemessene Infraschall-Pegel nicht mehr oder nur in geringem Umfang erhöht“. Infraschall sei ein „alltäglicher und überall anzutreffender Bestandteil unserer Umwelt. Windkraftanlagen leisten hierzu keinen wesentlichen Beitrag.“ Die Studie wurde bearbeitet von der Wölfel Engineering GmbH.

Termine

17.-18. April 2018
VDI-Tagung Baudynamik
Würzburg
Link

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12.-13. Juni 2018
9. VDI-Fachtagung Schwingungen von Windenergieanlagen
Bremen
Link
 


19. April 2018
1th Wind and Drivetrain Conference
Hamburg
Link
 


15.-17. Mai 2018
Windforce Conference 2018
Bremerhaven
Link
 


7.-8. Juni 2018
Lärmkongress 2018
Stuttgart
Link
 

Der Wölfel-Newsletter Windenergie & Schall erscheint vierteljährlich und bietet einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen rund um das Thema.

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Redaktion und Kontakt: Kai Weller, weller@ahnenenkel.com

im Auftrag der Wölfel-Gruppe